Die Templer – Die Arme Ritterschaft Christi (1118–1312)

Die Templer waren die ersten und berühmtesten der geistlichen Ritterorden. Ihre Geschichte ist eine Geschichte von Aufstieg, Macht und dramatischem Fall.

Ursprünge und Gründung

Die Templer wurden 1118 gegründet, kurz nach dem Erfolg des Ersten Kreuzzugs (1096–1099). Nachdem die Kreuzfahrer Jerusalem erobert hatten, strömten Pilger aus ganz Europa ins Heilige Land, um die heiligen Stätten zu besuchen. Doch die Reise war gefährlich – Banditen und Räuber lauerten auf den Straßen.

Ein französischer Ritter namens Hugues de Payens und einige seiner Gefährten beschlossen, die Pilger zu schützen. Sie gründeten eine kleine Gemeinschaft, die sich dem Schutz der Pilger widmete. König Balduin II. von Jerusalem war begeistert von der Idee und gewährte der Gemeinschaft einen Flügel der al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg – dem Ort, wo einst der Tempel Salomons gestanden haben soll. Der Orden nahm seinen Namen von diesem Ort: die „Arme Ritterschaft Christi und des salomonischen Tempels“ – die Templer.

Aufstieg zur Macht

Die Templer wuchsen schnell. Sie wurden von der Kirche anerkannt und erhielten eine strenge Regel – die Templerregel – die von Bernhard von Clairvaux verfasst wurde. Diese Regel war ähnlich wie die Regel eines Mönchsordens, aber mit militärischem Fokus. Die Templer gelobten Armut, Keuschheit und Gehorsam. Sie durften kein Fleisch essen (außer an bestimmten Tagen), kein Glücksspiel spielen, keine Frauen besuchen.

Doch trotz ihres Gelübdes der Armut wurden die Templer unglaublich reich. Sie erhielten Spenden von Königen und Adligen, die ihre Seelen retten wollten. Sie erhielten Ländereien in ganz Europa. Sie wurden zu Bankiers – Pilger konnten bei den Templern Geld hinterlegen und es in Jerusalem abheben, ohne es über die gefährlichen Straßen transportieren zu müssen.

Die Templer waren auch eine militärische Elite. Sie waren diszipliniert, gut trainiert und fanatisch in ihrem Glauben. Sie kämpften in den Kreuzzügen und waren oft die besten Truppen der Kreuzfahrerarmeen. Sie bauten Burgen und Festungen im Heiligen Land und verteidigten diese gegen die muslimischen Armeen.

Der dramatische Fall

Doch die Macht der Templer machte ihnen Feinde. König Philipp IV. von Frankreich war verschuldet und wollte die Reichtümer der Templer. 1307 ließ er Templer in Frankreich verhaften und beschuldigte sie der Häresie – der Verehrung eines mysteriösen Kopfes namens „Baphomet“, der Verleugnung Christi, der Anbetung des Teufels.

Die Beschuldigungen waren wahrscheinlich falsch – sie waren eine Erfindung Philipps, um die Templer zu diskreditieren und ihre Reichtümer zu konfiszieren. Doch unter Folter gestanden viele Templer die Anklagen. 1312 wurde der Orden vom Papst aufgelöst. 1314 wurde der letzte Großmeister, Jacques de Molay, auf Befehl Philipps hingerichtet.

Die Templer verschwanden, aber ihre Legende blieb. Sie wurden zu Symbolen von Geheimnis, Verschwörung und verlorener Weisheit – Themen, die bis heute die Fantasie faszinieren.